Bericht von Jochen Hackstein

Die Reise nach Tansania gemeinsam mit meiner Kollegin Franziska war weit mehr als eine berufliche Verpflichtung. Sie war eine intensive Erfahrung, die uns sehr bewegt hat.

Schon der Beginn hatte es in sich: Unser Flug wurde kurzfristig aufgrund eines Streiks verschoben. Statt eines geregelten Starts begann unsere Reise mit Unsicherheit und Improvisation. Erst spät am Abend kamen wir schließlich bei unserem Zwischenstopp in Nairobi, Kenia an. Müde, aber auch gespannt auf das, was vor uns lag, verbrachten wir dort eine Übernachtung. In solchen Momenten spürt man, dass Reisen nicht nur Fortbewegung ist – es ist ein Loslassen von Kontrolle und ein Einlassen auf das Unvorhersehbare.

1. Daressalam

Am nächsten Morgen ging es sehr früh weiter nach Daressalam, Tansania. Dort erwarteten uns gleich zwei prägende Begegnungen. Zunächst trafen wir einen erfahrenen Geschäftsmann aus dem Kaffeehandel, der uns tiefe Einblicke in die Strukturen und Herausforderungen des Kaffee-Business in Tansania gab. Es wurde deutlich, wie komplex und zugleich verletzlich dieses System ist – und wie sehr es von globalen Märkten abhängt. Danach hatten wir ein Treffen mit dem Geschäftsführer der NGO AfriCraft, die aus Abfällen Kunstwerke schafft und diese verkauft. Es war beeindruckend zu sehen, wie aus etwas scheinbar Wertlosem neue Schönheit und wirtschaftliche Perspektive entstehen kann.

Unser Kaffee, in einer in Tansania gerösteten Edition, im Laden von AfriCraft in Daressalaam

2. Mbeya

Am Nachmittag flogen wir weiter nach Mbeya, wo wir am nächsten Tag eine große Kaffeefarm besuchten. Die Führung durch die Plantage war faszinierend: die sorgfältige Pflege der Arabica-Pflanzen, die Abhängigkeit von Klima und Boden, die vielen Arbeitsschritte bis zur fertigen Bohne. Besonders eindrücklich war die anschließende Kaffeeverkostung. Dabei bekam das Produkt, mit dem wir täglich arbeiten, eine andere Tiefe und Wertigkeit.

Reife Kaffeekirschen am Strauch

3. Njombe

Im Anschluss fuhren wir nach Njombe, wo wir unseren langjährigen Freund Fr. Lukas trafen. Diese Begegnung war geprägt von Vertrautheit und ehrlichem Austausch. Es tat gut, nicht nur Projekte zu sehen, sondern auch Menschen zu begegnen, mit denen uns eine Geschichte verbindet.

Jochen und Lukas

Am darauffolgenden Tag besuchten wir gemeinsam zwei Kaffee-Kooperativen: Ludewa AMCOS und Mawengi AMCOS. Die Gespräche mit den Verantwortlichen waren offen und konstruktiv. Besonders berührt hat uns, dass beide Kooperativen von sich aus das Thema Frauenförderung angesprochen haben. Der Wunsch, dass Frauen mehr Verantwortung übernehmen, war deutlich spürbar. Ein Zeichen von Veränderung und Hoffnung in einem oft traditionell geprägten Umfeld.

Zum Besuch bei einer Kaffeekooperative

4. Mbinga

Ein echter Höhepunkt – im positiven wie im herausfordernden Sinne – war die Weiterreise nach Mbinga. Acht Stunden auf teilweise kaum befahrbaren Straßen, tiefe Schlaglöcher, eine schmale Brücke über einen breiten Fluss. Diese Fahrt war körperlich anstrengend und gleichzeitig eindrücklich: Sie hat uns vor Augen geführt, unter welchen Bedingungen Menschen dort täglich unterwegs sind. Infrastruktur, die für uns selbstverständlich ist, ist hier oft ein Abenteuer.

In Mbinga selbst hatten wir ein intensives Treffen mit der Mahenge AMCOS Kooperative. Neun Personen saßen zusammen, und wir haben ausführlich über die Zukunft gesprochen: über den geplanten Kauf von Rohkaffee, über mögliche nächste Schritte der Zusammenarbeit und auch über die Perspektiven der Secondary School. Diese Gespräche waren geprägt von Ernsthaftigkeit, aber auch von einem gemeinsamen Willen, Dinge voranzubringen.

Treffen mit Mahenge Amcos

Heimreise und Nachgedanken

Mitten in diese dichte und intensive Zeit platzte dann die Nachricht, dass unser Rückflug erneut – wieder durch den Streik – annulliert wurde. Wieder hieß es umplanen, neu organisieren, improvisieren. Am Ende dauerte unsere Rückreise über 25 Stunden. Es war anstrengend, aber zugleich wurde uns bewusst, wie privilegiert wir dennoch sind, solche Reisen überhaupt machen zu können.

Was bleibt, sind viele Bilder: das satte Grün der Kaffeeplantagen, staubige Straßen, intensive Gespräche, herzliches Lachen. Vor allem aber bleiben Begegnungen mit Menschen, die unter oft schwierigen Bedingungen mit großer Hingabe arbeiten und Verantwortung übernehmen.

Im Hochland Tansanias

Diese Reise hat uns neu gezeigt, warum wir tun, was wir tun. Sie hat unsere Perspektive geweitet, unsere Dankbarkeit vertieft und unsere Motivation gestärkt, die Partnerschaften weiter auszubauen und zu vertiefen.

 

13 Mai 2026 — Jochen Hackstein
Stichworte: Tansania